Abschnitt 2: Ansatz nach disziplinen: perspektivierung der methoden

Die kommunikationswissenschaften

Die Semiotik

Man wird nicht erstaunt sein, dass die Kommunikationswissenschaften wegen ihrer Diversität bei der Untersuchung der NIT und ihrer pädagogischen Anwendungen oft erwähnt werden. Zunächst - dies ist ein triviales Argument -, weil unterrichten auch heisst zu kommunizieren. Sodann, weil die Semiotik per Definition dazu berufen ist, sich für die verschiedenen Sprachen zu interessieren: natürlich die verbale Sprache, aber auch die kinematographische oder fotografische Sprache, die skriptovisuellen Darstellungen, Grafiken, schematische Darstellungen, Zeichnungen usw. Durch ihr Streben, das Funktionieren der verschiedenen materiellen Darstellungen zu begreifen, verknüpft sich die Semiotik sowohl mit der kognitiven Psychologie wie auch der Didaktik. Die erstere interessiert sich für die mentalen Vorstellungen und die Weise, in der die Information im Gedächtnis verschlüsselt wird. Ein besseres Verständnis der Beziehungen zwischen materiellen Darstellungen und mentalen Vorstellungen sollte dazu führen, die Auffassung zu klären, derzufolge der Mensch ein symbolorientiertes Tier ist und dessen kognitives System demzufolge hauptsächlich ein Semiotisationssystem ist, konzipiert dafür, Sinn und Unterscheidungen zu erzeugen (Groupe ellung des Wissens und der Gültigkeit desselben interessiert, kann weiterhin weder die in den bildlichen Darstellungen (wissenschaftliche Abbildungen, schematische Darstellungen usw.) arbeitenden Mechanismen noch die Weise ignorieren, in der jene durch die Lernenden gelesen, verstanden und benutzt werden (De Corte, 1993; Baillé et Maury, 1993).

Baillé & Maury (Ed.) (1993) - Les représentations graphiques dans l'enseignement et la formation. Les sciences de l'éducation pour l'ère nouvelle, 1-3.

De Corte, E. (Ed.) (1993) - Comprehension of graphics in Texts. Learning and Instruction, Vol. 3, n3.

Groupe m, (1992) - Traité du signe visuel. Pour une rhétorique de l'image. Paris: Seuil, La couleur des idées.

Die Pragmatik des Diskurses

Die Pragmatik untersucht hauptsächlich die Wirkungen der Sprache und die Aussagesituationen. Jedwede Kommunikation bringt einen Inhalt und einen relationalen Aspekt mit sich. Letzterer drückt sich im wesentlichen durch die analogischen Kommunikationsformen aus: stimmliche Intonation, Mimik, Blick, Körperhaltung, Fortbewegung im Raum, proxemische Indizien, verschiedene Riten usw. (Palo Alto, Gofman, 1974). Zudem impliziert die Struktur des verbalen Austauschs - sei er dialogisch oder konversational - eine Steuerung, die impliziten Regeln (Grice, 1979) und zahlreichen Verfahren zur Beseitigung von Zweideutigkeiten (Anscombre & Ducrot, 1983) gehorcht. Schliesslich muss man noch zu den Bedingungen, die das Gelingen eines Kommunikationsakts gewährleisten, den Aufbau eines Kontexts oder einer den Gesprächspartnern gemeinsamen Bezugskultur, einer Vorstellung vom anderen, der Rollen eines jeden der Gesprächspartner usw. hinzuzählen (Recanati, 1980, Flahaut, 1979). Dies sind die Elemente, welche die Modellierung von Situationen vermittelter oder nicht vermittelter pädagogischer Kommunikation, anders gesagt von verbalen Interaktionen zwischen den verschiedenen Akteuren des Bildungs-bzw. Lernprozesses ermöglichen (Lehrer/Lernende, Lernende/Lernende, Tutoren/Lernende usw.). Wie bei den Bildungswissenschaften gibt es auf diesem Feld eine symmetrische Relation zwischen den theoretischen Modellen und der Entwicklung von Systemen. Gewisse Autoren vergleichen unterschiedliche Medien nach den Kosten, die nötig sind, um die Zweideutigkeit einer Behauptung zu beseitigen oder den Gesprächspartner zu wechseln. Umgekehrt ermöglichen die CMC-Systeme (Computer Mediated Communication) die systematischere Untersuchung bestimmter dieser Faktoren wie die Rolle des Blickkontakts, die Auswirkung des Synchronismus der Kommunikation usw.

Anscombre, J.C. & Ducrot, O. (1983) - L'argumentation dans la langue, Liège: Mardaga.

Flahaut, Fr. (1979) - Le fonctionnement de la parole. Communications, 30, S.73-79.

Goffman, E. (1974) - Les rites d'interaction, Paris: Minuit.

Grice, P.H. (1979) - Logique et conversation, Communications, N 30, 57 - 72

Recanati, F. (1980) - Les niveaux de l'analyse pragmatique. Documents du Centre international de sémiotique et de linguistique de l'Université d'Urbino, 94.

Sperber, D. & Wilson, D. (1989) - La pertinence. Paris:Minuit.

Die Computerlinguistik

Schliesslich kann man noch, auf halbem Weg zwischen den NIT und den Kommunikationswissenschaften, die Arbeiten über die Computerlinguistik erwähnen. Sie haben zum einen ermöglicht, bestimmte linguistische Begriffe einsatzfähig zu machen, und zum anderen, robustere Schnittstellen zu entwerfen. Der Beitrag der Linguistik zur Konzeption der Schnittstellen beschränkt sich nicht auf die Techniken zur Verarbeitung der natürlichen Sprache; dank ihr können auch andere Formen der Interaktion als Sprachakte beschrieben werden (Austin, 1962): z.B. die Visualisierung der Gesten eines Gesprächspartners auf einer graphischen Schnittstelle.

Austin, J.L. (1962) - La philosophie analytique. Les cahiers de Royaumont, n4, Paris: Minuit.

Bateson G. (1977) - Vers une écologie de l'esprit, Vol. I. Paris, Seuil.

Shannon, C. and Weaver, W. (1976) - La théorie mathématique de l'information. Paris: Retz.

Die Semiotik
Die Pragmatik des Diskurses
Die Computerlinguistik

Nationales Forschung Programm 33 - 29 JAN 1996

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